Angststörung Ursachen: So sieht die Diagnose und Therapie aus

DAS GEFÜHL DER ANGST GEHÖRT ZUM MENSCHSEIN DAZU. ES IST SOGAR WICHTIG, DENN ES BEWAHRT DAVOR, SICH UNÜBERLEGT IN GEFÄHRLICHE SITUATIONEN ZU BEGEBEN. ANGST IST TEIL DES SELBSTERHALTUNGSTRIEBS DES MENSCHEN UND KANN DAMIT SOGAR ÜBERLEBENSWICHTIG SEIN.

Ab einem gewissen Punkt gilt sie allerdings als krankhaft. Hier erfahren Sie alles über Angststörungen und Ursachen sowie Diagnose und Therapiemöglichkeiten.

Wer an einer Angststörung leidet, zeigt in gewissen Situationen grosse Furcht, obwohl diese, objektiv betrachtet, unbegründet ist. Die Angst lässt sich nur schwer, manchmal auch gar nicht kontrollieren. Einige Personen fürchten sich vor einer gewissen Sache mehr als andere. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie an einer Angststörung leiden.

Davon spricht man erst, wenn die Angst in keinerlei Verhältnis zur Situation steht und sich unangemessen stark äussert. Sie beeinträchtigt den Tagesablauf, schränkt den Betroffenen im sozialen Leben ein und verursacht starkes psychisches Leid.

Laut einer Studie der Universität Zürich leidet jeder zehnte Schweizer an einer Angststörung – Frauen häufiger als Männer. Damit gilt sie als die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Zahlreiche Betroffene schämen sich für ihre Angst, denn sie wissen, dass sie eigentlich unbegründet ist. Statt Hilfe zu suchen, meiden sie die Angstquellen weitestgehend, was die Störung allerdings eher intensiviert als abschwächt.

In welche Kategorien Angststörungen eingeteilt werden

Behandlungsbedürftige Angststörungen werden in drei Formen unterschieden:

Wer unter einer Phobie leidet, hat vor bestimmten Dingen oder Situationen Angst – wohlwissend, dass es keinen Grund dafür gibt. Man teilt phobische Störungen in Agoraphobie, soziale Phobie und spezifische Phobie ein.

Agoraphobiker fürchten sich davor, im Notfall nicht flüchten zu können oder keine Hilfe zu erhalten. Deshalb meiden sie oftmals grosse Menschenansammlungen und Veranstaltungen und gehen nicht gern auf Reisen. Die Angst schränkt sie stark in ihrer Bewegungsfreiheit ein.

Soziale Phobien äussern sich in Zusammenkünften mit Fremden oder in Situationen, in denen der Phobiker im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Oftmals gehen sie mit der Furcht vor Kritik und einem geringen Selbstwertgefühl einher.

Wer unter einer spezifischen Phobie leidet, fürchtet sich hingegen vor ganz speziellen Dingen oder Zuständen. Das können zum Beispiel Spinnen, Schlangen, geschlossene Räume oder grosse Höhen sein. Phobien gelten als die am weitesten verbreiteten Angststörungen, sind aber nur selten behandlungsbedürftig.

Wenn die Angst nicht spezifizierbar ist

Im Vergleich zur Phobie bezieht sich eine generalisierte Angststörung auf verschiedene Aspekte. Die Ängste sind unbestimmt, und es kann keine spezifische Quelle ausgemacht werden. Betroffene begleitet ein anhaltendes Gefühl von Anspannung.

Sie machen sich beispielsweise dauerhaft Sorgen, dass Angehörigen etwas zustossen könnte, auch wenn sich diese nicht in Gefahrensituationen befinden. Oftmals schaffen es Betroffene nur kurzzeitig, sich von dieser anhaltenden Furcht abzulenken.

Momente der akuten Panik

Tritt die Angst ganz plötzlich und in enormem Ausmass auf, ist von einer Panikstörung die Rede. Nicht selten ist sie mit Herzrasen, Schweissausbrüchen oder auch Schwindelanfällen verbunden. Sie dauert oftmals nur wenige Minuten an.

Die Panikattacke erreicht sehr schnell ihren Höhepunkt, der in schwerwiegenden Fällen als Todesangst beschrieben wird, und flacht dann langsam ab. Die Angst vor derartigen Attacken sorgt häufig für einen Rückzug des Betroffenen aus dem sozialen Leben. Panikstörungen treten eher selten auf, bedürfen in der Regel aber einer Behandlung.

So äussert sich eine Angststörung

Angststörungen betreffen sowohl die Psyche als auch den Körper. Nicht selten haben Betroffene das Gefühl, jeden Moment in Ohnmacht zu fallen oder gar eine Herzattacke zu erleiden. Das gilt vor allem für Personen, die eine Panikstörung haben.

Wie genau sich eine Angststörung äussert, hängt von ihrer Form ab. Eine Sache haben Betroffene aber in der Regel gemeinsam. Sie fürchten sich davor, in gewissen Situationen die Kontrolle zu verlieren und der Quelle der Angst hilflos ausgeliefert zu sein. Also setzen sie alles daran, sich von ihr fernzuhalten.

Über Angststörungen und Ursachen

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Verschiedene Theorien versuchen zu erklären, warum Angststörungen entstehen. Man geht davon aus, dass sie sich aufgrund von ungünstigen Lernprozessen oder inneren Konflikten herausbilden. Doch was bedeutet das konkret? Nicht selten hat eine Angststörung als Ursachen traumatische Erlebnisse, die sich auch schon in der Kindheit ereignet haben. Sie können sowohl auf psychischer als auch physischer Ebene stattgefunden haben. Beispielhaft dafür gelten:

  • früher Tod eines Elternteils
  • plötzlicher Verlust des gewohnten sozialen Umfelds
  • schwere Erkrankungen
  • emotionaler oder körperlicher Missbrauch

Auch der Erziehungsstil kann eine Rolle spielen. So berichten einige Betroffene zum Beispiel von einer Überbehütung bzw. einem übervorsichtigen Verhalten der Eltern.

Ein Blick in die Neurobiologie zeigt, dass Menschen mit Angststörungen Besonderheiten in gewissen Hirnregionen aufweisen. Auffällig ist unter anderem ein überaktiver Mandelkern. Dessen Aufgabe ist es, zu entscheiden, ob ein gewisser äusserer Reiz eine Gefahr für den Körper darstellt oder ihm nützt. Sein Volumen nimmt bei Angststörungen zu.

Man geht zudem davon aus, dass das vegetative Nervensystem von Angstpatienten besonders leicht erregbar ist. Angstzustände entstehen so schneller und häufiger. Das Auftreten von Angststörungen ist innerhalb einiger Familien gehäuft zu beobachten. Deshalb vermuten Wissenschaftler, dass auch die Genetik eine Rolle dabei spielen könnte.

Wie wird eine Angststörung diagnostiziert?

Bis eine Angststörung diagnostiziert wird, vergeht oftmals viel Zeit. Der Betroffene muss sich dessen erst einmal bewusst werden und den Entschluss fassen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Doch nur weil sich eine Person ihrer Probleme bewusst ist, heisst das noch nicht, dass der Weg zum Therapeuten führt.

Psychische Erkrankungen sind oftmals mit Scham verbunden, weshalb Betroffene die Suche nach Hilfe häufig so lang wie möglich herauszögern. Wer sich letztendlich traut, sich in professionelle Hände zu begeben, wird erst einmal ein umfassendes Gespräch mit dem Spezialisten führen. Dieser erfragt unter anderem, wann die Angstzustände auftreten, wie stark sie sind und seit wann der Betroffene sie verspürt.

Er bringt ausserdem in Erfahrung, ob die Ängste plötzlich oder eher schleichend auftreten und ob sie mit körperlichen Symptomen einhergehen. Einige dieser Symptome können auch auf spezielle Krankheiten wie Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Schilddrüsenerkrankungen schliessen. Diese gilt es zur Diagnosestellung auszuschliessen. Dazu ist eine umfassende Untersuchung beim Hausarzt notwendig.

Des Weiteren wird geprüft, ob die Angst tatsächlich der Mittelpunkt der Beschwerden oder eher eine Begleiterscheinung ist. Das kann beispielsweise bei Depressionen der Fall sein. Zu diesem Zweck kann das Führen eines Angsttagebuchs angeordnet werden.

Der Betroffene notiert über einen gewissen Zeitraum, wann Ängste auftreten und wie stark sie sind. Auch Beschwerden, die in Kombination mit der Angst auftreten, sind festzuhalten. Das erleichtert dem Therapeuten nicht nur die Diagnose, sondern auch die darauffolgende Erstellung eines individuellen Behandlungsplans.

Behandlungsmöglichkeiten bei einer Angststörung

behandlungsmoeglichkeiten bei einer angststoerung

Angststörungen lassen sich in den meisten Fällen gut behandeln. Je früher sich der Betroffene in professionelle Hände begibt, desto grösser sind auch die Erfolgsaussichten. Es gibt verschiedene Wege, die Problematik anzugehen. Entscheidend sind hierbei die Art und Ausprägung der Angststörung sowie die Wünsche des Patienten.

Als besonders wirksam gilt die kognitive Verhaltenstherapie. Dahinter steht die Annahme, dass Gedanken, Emotionen und Verhalten in direkter Abhängigkeit zueinander stehen. Oftmals sind Angststörungen mit negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit verbunden. In ähnlichen Situationen werden die Gedanken daran wieder präsent, Furcht macht sich breit, und der Betroffene nimmt Abstand. Ob das gerade wirklich notwendig ist, steht dabei im Hintergrund.

Ziel der kognitiven Therapie ist es, dem Patienten genau das aufzuzeigen. Er soll lernen, dass gewisse Denkmuster zu entsprechendem Verhalten führen. Das Durchbrechen dieser Muster ist essenziell, um die Angststörung hinter sich zu lassen.

Zu diesem Zweck begibt sich der Patient gedanklich unter Anleitung des Therapeuten in eine Situation, die ihn ängstigt. Darin verbleibt er so lange, bis die Furcht abklingt. Auf diese Weise soll der Betroffene erkennen, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Später wird das Gedankenexperiment in die Realität übertragen.

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung stellen psychodynamische Verfahren dar. In ihrem Rahmen geht man davon aus, dass die Angst durch unbewusste innere Konflikte hervorgerufen wird. Genau diese Konflikte gilt es aufzudecken und aufzulösen.

Medikamente bei besonders stark ausgeprägten Angststörungen

Unter Umständen kann bei Angstpatienten auch eine medikamentöse Behandlung infrage kommen. Das gilt beispielsweise dann, wenn Ängste so stark ausgeprägt sind, dass sich der Patient ihnen in keiner Weise stellen kann. Dabei ist genau das essenziell für den Erfolg der Behandlung.

Oftmals fällt die Wahl dann auf Antidepressiva. Allerdings dauert es mindestens zwei Wochen, bis diese ihre vollständige Wirkung entfalten. Ist eine sofortige Wirkung notwendig, können Anxiolytika zum Einsatz kommen. Deren Gebrauch ist hingegen nur vorübergehend anzusetzen, denn sie bergen die Gefahr einer Abhängigkeit.

Diese Massnahmen können die Behandlung unterstützen

Bei Bewegung bzw. Anspannung bilden die Muskeln sogenannte Myokine. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die die Psyche stabilisieren können. Wer sich regelmässig körperlich betätigt, kann die Therapie der Angststörung somit unterstützen. Hinzu kommt, dass Sport für viele Personen ein Ventil zum Stressabbau darstellt. Das kann sich ebenfalls positiv auf die mentale Gesundheit auswirken.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist gezielte Entspannung. Schliesslich setzen Ängste nicht nur die Psyche, sondern auch den Körper unter Stress. Als besonders hilfreich erweist sich die progressive Muskelentspannung. Der Patient spannt dabei jeden Muskel nacheinander ganz bewusst an und lässt danach wieder locker. Auch autogenes Training, angewandte Entspannung und mehr können zum Einsatz kommen.

Woran ist zu erkennen, ab wann sich Ängste zu einem krankhaften Zustand entwickeln?

Ängste zu haben, ist ganz normal. Ab welchem Punkt sich daraus aber behandlungsbedürftige Störungen entwickeln, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Beantworten Sie eine oder mehrere der folgenden Fragen mit einem Ja, ist über den Gang zum Arzt nachzudenken.

Angststörungen mit mynd in den Griff bekommen

Die mentale Gesundheit ist ein ernstzunehmendes Thema, dem allerdings oftmals zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dabei kann sich das psychische Wohlbefinden sogar auf die körperliche Gesundheit auswirken. In einer Welt, in der nichts schnell genug geht und Stillstand kaum geduldet wird, steigt die psychische Belastung stark an.

Zahlreiche Betroffene möchten sich das nicht eingestehen oder fürchten, als schwach zu gelten, wenn sie es ansprechen. Mit mynd steht Ihnen eine digitale Hilfestellung zur Verfügung. Sie unterstützt Sie dabei, mit all den Höhen und Tiefen umzugehen, die das Leben bietet.

Einfach, benutzerfreundlich, effektiv und mobil nutzbar – all das vereint mynd. Die digitale Lösung basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie. Diese können Sie in Form eines Abonnements oder in einzelnen Beratungen in Anspruch nehmen.

Zu Beginn ist die Beantwortung einiger Fragen notwendig, die einen ersten Eindruck Ihres Anliegens offenlegen. Es folgt die erste Sitzung mit einem Coach. Er hilft Ihnen dabei, die nächsten Schritte festzulegen, um die bestmögliche Vorgehensweise für Ihren persönlichen Fall ausfindig zu machen. Nehmen Sie Ihre mentale Gesundheit selbst in die Hand und wählen Sie Ihren Coach!

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