Essstörungen und kognitive Verhaltenstherapie

9 % DER WELTBEVÖLKERUNG LEIDET AN ESSSTÖRUNGEN. DAMIT GEHÖREN SIE ZU DEN TÖDLICHSTEN PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN ÜBERHAUPT. ESSSTÖRUNGEN SIND EINE PSYCHISCHE STÖRUNG, BEI DER SICH DIE PERSON STARK MIT DEM ESSEN UND DEM GEWICHT BESCHÄFTIGT.

Das eigene Verhalten konzentriert sich oft auf den Umgang mit Essen, die Kontrolle der Nahrungsaufnahme, das Gewicht und die Figur. Es gibt verschiedene Arten von Essstörungen: Binge-Eating-Störung, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und andere spezifizierte Fütterungs- oder Essstörungen (OSFED). Um eine Essstörung zu entwickeln, muss man eine biologische Veranlagung haben. Wenn eine anfällige Person hungert, kommt es zu Veränderungen im Zusammenhang mit dem Serotoninspiegel und dem Blutfluss im Hirn. Essstörungen gehen oft mit Angstzuständen und Depressionen einher. Oft hat man auch Schwierigkeiten mit dem Schlafen und der Konzentration. Bei Frauen kommt es ausserdem häufig vor, dass die Periode ausbleibt.

Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) wird häufig bei psychischen Erkrankungen wie Sucht, Depression und Phobien eingesetzt. Sie ist auch die wichtigste wissenschaftlich fundierte Behandlung von Essstörungen. Dabei geht es darum, Selbstkontrolle zu gewinnen, auslösende Faktoren zu vermeiden und angemessene Stressbewältigungsmechanismen zu entwickeln. CBT ist eine der am meisten erforschten Therapieformen, da sich die Behandlung auf konkrete Ziele konzentriert und leicht messbare Ergebnisse hat.

essstoerungen

Was sind die Vorteile der CBT-Methode?

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Methode. Sie soll Menschen helfen, zerstörerische Denkmuster zu erkennen und zu verändern, die Gefühle und Verhalten ungünstig beeinflussen.

Die CBT-Behandlung soll den Schwerpunkt der negativen Gedanken verändern, die zu Schwierigkeiten, Ängsten und Depressionen führen. Diese wirken sich auch sehr stark negativ auf die Stimmung aus. Die negativen Gedanken werden benannt, in Frage gestellt und durch realistischere und zielführende Gedanken ersetzt. Als Techniken zur Überwindung negativer Gedanken werden Journaling, Rollenspiele, Entspannungsmethoden und mentale Ablenkungen eingesetzt. Die CBT behandelt in der Regel verschiedene Unterthemen wie:

Vorteile der CBT-Methode
Der Patient lernt, gesündere Denkweisen zu entwickeln

Man macht sich die negativen und unrealistischen Gedanken bewusst, welche die Stimmung und Emotionen negativ beeinflussen

Die Behandlung ist zeitsparend

Die Behandlung ist zeitsparend, da man bereits nach fünf bis 20 Sitzungen eine Verbesserung feststellen kann

CBT ist eher erschwinglich

Im Vergleich zu anderen psychologischen Behandlungsmethoden ist sie eher erschwinglich

Die Methode eignet sich sowohl für persönliche als auch für Online-Beratungen
Diese Therapieform ist sehr hilfreich für Menschen, die keine medikamentöse Behandlung wünschen
CBT und Essstörungen

Das kognitive Modell geht davon aus, dass das Hauptproblem bei einer Essstörung entweder das Gewicht oder die Körperform ist. Häufig kann dies zu Binge Eating, Purging, Untergewicht oder restriktiven Diäten führen. Diese Verhaltensweisen können auch Hand in Hand gehen. So kann z.B. eine einschränkende Diät zu Gewichtsabnahme führen, was wiederum Binge Eating zur Folge haben kann.

 

Bei Essstörungen gilt die kognitive Verhaltenstherapie als führende Behandlungsmethode. Sie hilft, den psychischen Leidensdruck in den Griff zu bekommen. Der Schwerpunkt der Sitzungen liegt auf der Zusammenarbeit zwischen dem Klienten/Patienten und dem Therapeuten.

 

Der Ansatz wurde in den 70er Jahren entwickelt und wird seither erfolgreich bei verschiedenen Arten von Essstörungen eingesetzt. Eine weiterentwickelte Version namens “Enhanced Cognitive Behavioural Therapy“ wurde 2008 veröffentlicht. Sie deckt ein breiteres Spektrum ab, einschliesslich geringem Selbstwertgefühl und Perfektionismus.

 

Ein 20-wöchiges Programm von 50 Minuten pro Sitzung kann bei der Behandlung von Essstörungen sehr wirkungsvoll sein. In bestimmten Fällen kann eine Behandlung auch 40 Wochen oder länger dauern. Darüber hinaus hat sich diese Methode als kostengünstig für Klienten/Patienten mit Bulimia nervosa erwiesen. Während der Sitzungen werden die Patienten gewogen, Hausaufgaben ausgewertet und Fähigkeiten zur Bewältigung von schwierigen Situationen und zur Problemlösung vermittelt.

lebensmittelangst

Eine CBT-Behandlung für Menschen mit Essstörungen läuft normalerweise wie folgt ab:

  • Essensregeln in Frage stellen. Hinterfragen und erkennen Sie Ernährungsgewohnheiten, wie z. B. nach 20 Uhr essen oder frühstücken.
  • Ein Essenstagebuch führen. Das Essenstagebuch beinhaltet die Empfindungen/Emotionen, Gedanken und Verhalten nach der Mahlzeit.
  • Das Verhalten ändern. Entwickeln Sie eine Denktechnik, um die Alles-oder-Nichts-Haltung zu ändern.
  • Strategien ändern. Entwickeln Sie Strategien zur Vermeidung/Verzögerung von Essanfällen oder Ausgleichsmethoden.
  • Angst vor dem Essen. Setzt den Patienten/Klienten den gefürchteten Nahrungsmitteln aus, nachdem regelmässiges Essen erreicht wurde. Die gefürchteten Lebensmittel werden dann schrittweise eingeführt.
  • Die Mahlzeiten im Voraus planen, damit der Klient/Patient weiss, wann und was er essen soll. Es ist auch eine gute Idee, einige “sichere Lebensmittel” oder “Go-to-Lebensmittel” zu finden, die man wählen kann, wenn man sich unsicher oder überfordert fühlt.
  • Wenn eine Person glaubt, dass sie 3 kg zunimmt, wenn sie ein Stück Kuchen isst, fordert man sie auf, den Kuchen zu essen und beobachtet, ob die Gewichtszunahme folgt.
  • Rückfälle verhindern. Besprechen der möglichen Hindernisse, die der Klient/Patient wahrscheinlich erleben wird. Dann werden Techniken entwickelt, wie man mit diesen Herausforderungen umgehen kann, um einen Rückfall zu vermeiden.

Welchen Herausforderungen können wir durch den CBT-Ansatz begegnen?

  • Unser Verhalten zu ändern, kann schwierig sein. Auch wenn wir es schaffen, bestimmte negative Gedanken zu erkennen, kann es schwierig und zeitaufwendig sein, sie zu ändern
  • Es ist ein sehr strukturierter Ansatz. Die Therapie ist eher für strukturierte Menschen geeignet und könnte daher für bestimmte Persönlichkeiten schwieriger anzuwenden sein
  • Der Wille zur Veränderung muss vorhanden sein. Die Patienten/Klienten müssen Zeit und Mühe aufwenden, um ihre Emotionen und Gedanken zu evaluieren. Auch wenn sie dies als herausfordernd und schwierig empfinden könnten. Wenn der Patient/Klient sich nicht verändern will, besteht ein höheres Risiko, dass er sein Verhalten nicht nachhaltig ändern kann.
  • Es ist ein schrittweiser Prozess, der am Ende einen grossen Fortschritt zeigt. Es handelt sich um eine schrittweise Methode zur Verhaltensänderung. Man beginnt mit kleinen Veränderungen, die zu einem grösseren Ziel führen. Es ist für die Patienten/Klienten weniger anstrengend, sich kleinere Ziele zu setzen, um das angestrebte Ziel zu erreichen.
wille-zur-veraenderung
Also, wie fängt man an?
  • Wenden Sie sich an Ihren Arzt: Kann er/sie Sie an jemanden verweisen, der zu Ihnen passen würde?
  • Möchten Sie lieber online oder persönlich beraten werden?
  • Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob diese die Behandlung übernimmt.
  • Das erste Beratungsgespräch ist eine gute Gelegenheit, sich gegenseitig kennen zu lernen
  • Kommen Sie vorbereitet und seien Sie bereit, Fragen zu beantworten.

 

Benötigen Sie mehr Informationen oder möchten Sie mit jemandem sprechen, bevor Sie Ihren Arzt aufsuchen? Dann können Sie gerne unsere Coaches kontaktieren. Unsere Coaches beraten Sie über Ihre nächsten Schritte und finden die richtige Behandlung für Sie.

 

 

geschrieben von  Henriette Saevil – Klinische Ernährungsberaterin

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