Was können wir von unseren Emotionen lernen? - Mynd.ch

Was können wir von unseren Emotionen lernen?

EMOTIONEN SIND MENTALE UND KÖRPERLICHE REAKTIONEN, WELCHE DURCH DIE BEWUSSTE ODER UNBEWUSSTE WAHRNEHMUNG EINES EREIGNISSES AUSGELÖST WERDEN.
Nicht immer jedoch werden sie durch einen äusseren Reiz hervorgerufen, oftmals entstehen Gefühle alleine aus unseren Gedanken. Unsere Emotionen dienen uns als Bewertungssystem, sie helfen uns bei der Orientierung in unserem Alltag.

Emotionen als Bewertungssystem

Wenn wir unsere Emotionen als Orientierungshilfe verstehen, erhalten wir in unserem Alltag stets wertvolle Hinweise als zusätzliche Entscheidungsgrundlage. Wir spüren intuitiv, welche Entscheidung sich als “richtig” anfühlt bzw. mit welcher wir uns zumindest im aktuellen Moment wohler fühlen. Auf einen inneren oder äusseren Reiz reagieren wir nicht nur mental, sondern ebenfalls körperlich. Bei Nervosität schwitzen wir oft stark oder unser Herz rast schneller bei Panik, wenn wir verliebt sind hingegen haben wir Schmetterlinge im Bauch. Das gesamte System schlägt Alarm.

Selbst wenn wir für eine zukunftsweisende und sogenannt vernünftige Entscheidung rationale Argumente abwägen, ist der erste Impuls meist entscheidend. Nicht umsonst hören wir oftmals auf unser Bauchgefühl, weshalb der Ausdruck auch eine verbreitete Redewendung ist. Das emotionale Bewertungssystem ist allerdings keineswegs komplett, es wird mit jeder neuen Erfahrung ständig geprägt und erweitert. Je intensiver wir ein Gefühl erleben, umso deutlicher bleibt es später in unserem Gedächtnis verankert. Deshalb reagieren wir auf dieselben Ereignisse immer unterschiedlich stark und unseren persönlichen Erfahrungen entsprechend.

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Gesteuert durch emotionale Trigger

Wenn sich eine negative Erfahrung oder Erinnerung besonders deutlich in unser Gedächtnis eingeprägt hat, reagieren wir bei einem ähnlichen Ereignis meist unbewusst entsprechend stark. Durch einen Schlüsselreiz genannt Trigger ausgelöst, verhalten wir uns überdurchschnittlich emotional und der aktuellen Situation scheinbar nicht angemessen, wir sind schlicht unfähig eine rationale Reaktion zu zeigen. Unser Gegenüber versteht nicht was gerade passiert, wir leider oftmals auch nicht. Wir werden gänzlich durch unsere Emotionen gesteuert und ein Konflikt ist durchaus wahrscheinlich, obwohl unsere Gefühle vermutlich wenig mit der aktuellen Situation zu tun haben. Beide Parteien leiden unter dem entstandenen Chaos.

Wenn wir öfters in eine solche Situation geraten und unser Verhalten dann durch einen emotionalen Trigger bestimmt wird, sollten wir wahrscheinlich der Ursache auf den Grund gehen. Dazu blicken wir in die Vergangenheit, denn irgendwann hat uns eine Aussage oder das Verhalten einer uns vermutlich nahestehenden Person derart verletzt, dass wir noch heute unter den Folgen leiden. Ein Perspektivenwechsel kann uns dabei helfen, die Hintergründe der Person und die Motivation für ihr verletzendes Vorgehen besser zu verstehen. Denn meistens war ihr die Bedeutsamkeit des Geschehenen nicht bewusst, sie hat nicht in böser sondern eben gerade in guter Absicht gehandelt, ist dabei aber über das Ziel hinausgeschossen. Dadurch können wir vielleicht wieder Frieden schliessen mit der Vergangenheit. Wenn wir wieder getriggert werden, behalten wir die neue Erfahrung im Hinterkopf und wirken mit viel Übung der automatischen Reaktion entgegen.

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Emotionsregulation für mehr Resilienz

Wir teilen Emotionen gerne in positive und negative Gefühle ein. Grundsätzlich sind sie aber einfach vorhanden, ohne jegliche Bewertung. Soeben haben wir uns nochmals in Erinnerung gerufen, dass eine achtsame Wahrnehmung unserer Emotionen eine wertvolle Grundlage bei der Entscheidungsfindung ist, wir aber manchmal kurzfristig fast komplett durch sie gesteuert werden. Emotionen können sich aber auch wie ein Schatten anfühlen und unseren Alltag zeitweise verdunkeln. Wenn wir ins Grübeln geraten und sich das negative Gedankenkarussell dreht, sollten wir dringend für einen Unterbruch sorgen. Sicherlich dürfen wir uns mit dem Ursprung unserer Gefühle auseinandersetzen, da wir daraus wertvolle Erkenntnisse ziehen. Wenn wir aber langfristig unter ihnen leiden, sollten wir den Fokus öfters auf die positiven Aspekte in unserem Leben richten.

Das Erlernen der Emotionsregulation ist eine herausfordernde Aufgabe in unserer Kindheit und gehört zu den Lebenskompetenzen. Eine effektive Emotionsregulation führt dazu, dass die negativen Konsequenzen unserer Emotionen gering und unsere Bedürfnisse nicht blockiert sind. Wenn wir vermehrt positive Gefühle kultivieren, wird dadurch unsere Resilienz gestärkt. Resilienz ist die psychologische Widerstandsfähigkeit und wappnet uns somit für die alltäglichen Herausforderungen. Natürlich ist es ebenfalls im Erwachsenenalter noch möglich, die Regulation unserer Emotionen in einem Gefühlstraining zu lernen.

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Emotionen sind also hilfreiche Begleiter in unserem Alltag und unterstützen uns bei der Entscheidungsfindung. Manchmal lassen sie uns sogar glasklar erkennen, was uns in unserem eigenen Leben wichtig ist.

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